Die Hirschfelder Kapelle
Dieses Gebäude diente der Gemeinde von Winkeldorf bis zur Vertreibung als Leichenhalle und steht neben der Kirche auf dem Friedhof von Winkeldorf.
Nach dem Krieg verwahrloste es immer mehr zur Ruine.

Der in den neuniziger Jahren gegründete Kirchenbauverein entschloß sich, dieses Gebäude vor dem gänzlichen Verfall zu retten und es als Gebets- und Meditationskapelle dem deutschen Jugendkaplan Hirschfelder und dem polnischen Bischof Kozol zu widmen. Beide wurden während des Krieges im KZ Dachau ermordet.
Die äußeren Rernovierungsarbeiten sind soweit abgeschlossen.

Für die Gestaltung des Innenraums konnte Prof. Rybzcinski aus Alt Morau gewonnen werden.
Er ist schon ein gutes Stück vorangekommen, so daß wir hoffen Ende 2009 die Renovierung abschließen zu können.


Gerhard Hirschfelder
wurde am 17. Februar 1907 in Glatz geboren. Hier besuchte er das humanistische Gymnasium und legte 1926 die Reifeprüfung ab.
Nach Beendigung des Theologiestudiums in Breslau wurde er am 31. Januar im Hohen Dom zu Breslau von Kardinal A. Bertram zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er in der Kapelle der Herz-Jesu-Schwestern in Bad Langenau (heute: Długopole) am 1. Februar 1932.
Seine erste Anstellung erhielt Gerhard Hirschfelder als Kaplan in Tscherbeney in der Grafschaft Glatz. Mit seinem frohen Temperament hatte er bald den Weg zum Herzen seines Pfarrers Augustin Häuften (1885-1939) und erst recht zum Herzen der Pfarrjugend gefunden.
1933 kam in ganz Deutschland der Nationalsozialismus mit seinen Organisationen „Hitlerjugend“ und „Bund Deutscher Mädel“ zur Macht. Bald erkannte Gerhard Hirschfelder die Gefahr, die der Jugend in der Erziehung zu den Zielen des Nationalsozialismus drohte. Kompromißlos verteidigte er die Kirchenlehre und das Evangelium. Sein herzliches Verhältnis zur Jugend war ein Dorn in den Augen der Nazi-Machthaber.
Er wurde bespitzelt und wegen seiner Predigten mehrmals verhört.
1939 wurde er nach Habelschwerdt (heute: Bystrzyca Kłodzka) versetzt. Dr. Franz Monse ernannte ihn zum Diözesanjugendseelsorger der Grafschaft Glatz. Gerhard Hirschfelder organisierte Jugendwallfahrten nach Albendorf und Maria Schnee. Tausende Jugendliche aus der ganzen Grafschaft nahmen daran teil. In dieser Zeit geschah eine Untat auf der Wüstungspromenade. Dem Christusbild des Holzkreuzes wurden beide Augen ausgeschossen, und bei dem steinernen Bildstock der Krönung Mariens (aus dem 18. Jh.) wurden vier Köpfe abgeschlagen (Gott Vater, Sohn, Hl. Geist und hl. Maria).
Am Sonntag nach dieser Schandtat predigte Kaplan G. Hirschfelder und sagte unter anderem: „Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“. Diese Worte waren Anlaß zu seiner Verhaftung.
Gerhard Hirschfelder wurde vom 1.8. bis 15.12.1941 im Glatzer Gefängnis inhaftiert. Hier schrieb er seinen Kreuzweg nieder.
Von Glatz wurde er Mitte Dezember in das KZ Dachau abtransportiert, wo er an Mißhandlung, Unterernährung und Entkräftung am 1.8.1942, noch nicht 36 Jahre alt, starb. Seine Überreste ruhen auf dem Friedhof in Tscherbeney neben seinem Pfarrer, mit dem er sieben Jahre diese Pfarrei verwalten half. Die Seligsprechung findet am 12.09.2010 in einem feierlichen Gottesdienst zu Münster statt.